ein funktionierender Mixer und lauter Erfolgserlebnisse - Das zweite REpaircafé im Neubad

Mein Besuch im Repaircafé im Neubad Luzern


„Es geht mir darum, dass wir Sachen nicht wegwerfen, obwohl nur ein kleines Teil davon kaputt ist oder fehlt“, erzählt mir Isabelle Mauchle, die zusammen mit Aurelia Meier das zweite Repaircafé im Neubad, der Zwischennutzung im ehemaligen Hallenbad, organisiert hat. Meier ist Veranstaltungs-Assistentin im Neubad und Mauchle hatte das Vorhaben, ein Repaircafé in Luzern zu veranstalten und ging damit zum Neubad.
Von einem Repaircafé haben viele von uns wahrscheinlich schon gehört, warum es das bisher nicht in Luzern gab, dachte sich auch Isabelle und holte es deshalb nach Luzern, ganz nach dem Motto, wenn einem etwas fehlt, muss man es halt selber machen. Für sie war sofort klar, dass das Neubad dafür der richtige Ort ist, was wiederum zeigt, dass sich das Neubad in seiner kurzen Zeit, seit September 2013, bereits etabliert hat. Ich bin ihr dafür sehr dankbar, denn auch ich habe mir heimlich schon lange ein Repaircafé in Luzern gewünscht und hab immer sehnsüchtig nach Zürich und Bern geschielt.
Und für die, die jetzt noch immer nicht nachkommen, von was ich hier rede: Ein Repaircafé ist ein Konzept aus Holland, das ganz vereinfacht erklärt, Leute, die flicken können, und Leute, die Dinge zum flicken haben, zusammenbringt, dazu gibts Kaffee und Kuchen, daher der Name. Es ist aber kein Reparierservice, sondern die anwesenden Experten auf den jeweiligen Fachgebieten zeigen mir, wie ich meine kaputte Hose, Toaster, Stuhl oder Fernseher selber flicken kann. So weit wie möglich natürlich, teilweise müssen sie natürlich auch selber Hand anlegen. Das ganze machen sie ehrenamtlich, aus Begeisterung für die gute Sache. Auch die „Kunden“ bezahlen nichts im eigentlichen Sinne, eine kleine Spende ist aber sehr willkommen. Das Ganze ist eine wahre Win-Win-Situation: Zufriedenheit, etwas selber geflickt zu haben auf der einen Seite und jemandem dabei geholfen zu haben auf der anderen Seite. Die Motivation der Experten ist ganz unterschiedlich, die einen „basteln“ gerne, sie finden es eine super Sache, sie schätzen die tolle Atmosphäre oder sie finden es gut, dass man wieder versucht, Dinge zu flicken, statt wegzuwerfen.

Mein Freund hat einen Mixer und ich zwei Kleidungsstücke zum reparieren gebracht. Der Experte hat beim Mixer lange rumgetüftelt und am Ende gar sein Werkzeug noch etwas „manipuliert“, nur damit er erstmal die Schrauben öffnen könnte. (Ob da wohl geplante Obsoleszenz dahinter steckt?) Aber schliesslich lief der Mixer wieder einwandfrei, was für ein Erfolgserlebnis. Ich fand es total faszinierend,zu sehen wie das Innenleben eines Mixers oder Toasters ausschaut. Ich spürte regelrecht die Leidenschaft der ehrenamtlichen HelferInnen für diese Sache. Lange wird an einer Eieruhr, die der Grossmutter eines Besuchenden gehört hat, rumgewerkelt, bis sie schlussendlich wieder funktioniert. Man gibt nicht so schnell auf, holt noch ein Werkzeug von Keller, oder braucht mal eine Beruhigungszigi.
Das zweite Repaircafé ist gut besucht, gemäss Organisatorinnen fanden heute ungefähr 40 Leute den Weg ins Neubad. Auch die Experten bestätigen mir, dass es heute noch mehr BesucherInnen gab als beim ersten Mal. Sie sind auf jeden Fall wieder mit dabei. Die Helfer sind auf irgendeinem Gebiet eine Art ExpertIn, oft durch ihre Ausbildung oder ihr Hobby. Es gibt einen Elektroniker, eine Handarbeitslehrerin, Ingenieure, und sogenannte Allrounder. Diese sind jeweils bestimmten Fachgebieten wie Elektronik, Textlilien, Holz, PC zugeteilt. Beim Eingang gibt es einen Tisch, wo ich empfangen werde. Ich werde gefragt, was ich dabei habe zum reparieren, man nimmt meine Angaben auf, und leitet mich mit einem Zettel in der Hand an den jeweiligen Tisch. Und für alle Dinge, die in keine Kategorie passen, wie ich mit meinen Minenbleistiften, mit denen geht man einfach mal zum Allrounder am oberen Tisch. Dort erkläre ich dem Experten, was kaputt ist und wir versuchen gemeinsam zu reparieren. Am Ende füllt der Experte den Zettel aus, ob die Reparatur gelungen ist. Das Ganze ist also sehr professionell und gut organisiert. Ich bin sehr positiv überrascht, wieviel sich die Organisatorinnen überlegt haben. Die Leute kommen mit ganz unterschiedlichen Dingen, von Flachbildfernseher über Hosen, Taschen, bis zu Eieruhren und Toastern. Und mehrheitlich konnte die Gegenstände repariert werden. Überall um mich sehe ich Menschen, die sich über ihre neu geflickten Dinge freuen, und Menschen, die sich freuen, jemandem helfen zu können, einfach wunderbar.

 

Ich habe mich gefragt, wie die beiden Organisatorinnen denn überhaupt diese ExpertInnen gefunden haben. Sie haben dazu ganz unterschiedliche Kanäle, erzählen sie mir, vieles sei über privates Netzwerk, aber auch über Facebook, andere soziale Medien und eine Briefaktion an die Nachbarn. Ein Helfer erzählt mir, das erste Mal habe er selber eine kaputte Jacke mitgebracht, und diesmal sei er nun auf der anderen Seite mit dabei und hat gerade einen Toaster repariert. Dies sei auch gerade das Schwierigste, genug Helfer zu finden, erzählt mir Aurelia Meier, denn ohne sie funktioniere es gar nicht, keine Helfer, kein Repaircafé. Für die zukünftigen Repaircafés im Neubad werden darum unbedingt noch mehr HelferInnen gesucht, also, wenn du irgendein Reparier-Talent hast oder jemanden kennst, dann melde dich doch bei Aurelia (assistenzveranstaltungen@neubad.org). Das Ziel von Aurelia Meier ist es, pro Monat ein Repaircafé durchzuführen.
Warum sie das Repaircafé organisiert hat, wollte ich von ihr wissen. Darauf nennt sie mir ganz viele Gründe. Die Leute haben Freude daran, anderen zu helfen bzw. dass ihnen geholfen wird. Der ganze soziale, gesellschaftspolitische Aspekt, denn das Ganze hat, fasziniert sie,deshalb hat sie mit Freude das Konzept des Repaircafés, welches bereits in vielen Städten sehr gut funktioniert, übernommen. Sie erzählt mir, dass sie vor der ersten Durchführung auch etwas Bammel hatte, ob man denn die Sachen auch reparieren könne, doch diese Sorge hat sich glücklicherweise in Luft aufgelöst. Auch Mauchle gefällt der Aspekt, dass durch das Repaircafé die Menschen wieder Souveränität bekommen und dazu noch Tipps von den Experten, wie sie es das nächste Mal vielleicht alleine probieren können.

Das tolle am Repaircafé finde ich, dass dadurch Wissen weitergegeben wird, das ansonsten vielleicht verloren geht, es bringt Menschen zusammen, Alte und Junge und fördert den Austausch. Und das Ganze ganz ohne Geld. Eine Kollekte ist natürlich willkommen, damit die Helfer in neue Werkzeuge investieren können. 


 

Das nächste Repaircafé findet übrigens am Samstag, 14. November von 10-14 Uhr im Neubad Luzern an der Bireggstrasse 36 statt. Also, such deine kaputten Sachen zu Hause zusammen und trag den Termin gross in dieAgenda ein. Oder noch besser, melde dich oder jemanden den du kennst, als HelferIn.
Für interessierte HelferInnen, meldet euch hier bei Aurelia Meier: 

 

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