what do you want? Climate Justice

Klimakonferenz in Paris - ein Bericht über die zivilgesellschaftlichen Aktionen

 

Trotz Terroranschlägen einen Monat vorher und Ungewissheit, was und ob es Aktionen geben wird - denn die Regierung hat die geplante Grossdemo anlässlich der Klimakonferenz abgesagt aus Sicherheitsgründen - blieben wir bei unserem Entschluss, am 11.Dezember für das Ende der Klimakonferenz nach Paris zu reisen. Und wir haben es nicht bereut. Es war grossartig. So viele Leute, diese Stimmung, einfach unbeschreiblich, so viele Menschen um sich zu wissen, denen dasselbe am Herzen liegt, die sich für dasselbe einsetzen. Toll war der Moment, als wir zur Metro ausstiegen, und fremde Leute uns ansprachen mit dem Kommentar "there are a lot of people wearing red today", ich ahnte schon, dass sie wohl auch keine gewöhnlichen Touristen waren. Durch diese gemeinsame Sache fühlte ich mich mit mir bis vor wenigen Minuten noch wildfremden Menschen plötzlich verbunden. Sie schenkten uns rote Bänder, welche ich mir in die Haare band :). Er erzählte weiter, dass er in Calais im Flüchtlingscamp hilft, Unterkünfte zu bauen, wow. Wie beeindruckend.

Je weiter wir in Richtung Ort des Geschehens liefen, desto mehr Leute, die verdächtig oft rot trugen, tauchten auf, und plötzlich waren wir ganz viele, aus dem Nichts. Als wir auf der avenue de la grand armée ankamen, waren dort schon viele Leute, Alte, Junge, von überall her. Neben uns hielten Engländer das rote Band, welche gerade vom amerikanischen Radio interviewt wurden. Wir standen zwischen Arc de Triomphe und La Défense und überall waren Leute mit Transparenten, gewisse gar verkleidet, andere machten Musik, alle mit ganz viel Herzblut. Gemäss organisatoren sollen es 15'000 Leute gewesen sein. Immerhin. Wenn man bedenkt, dass die Street Parade jeweils 1-2 Million Leute besuchen, besteht da deutlich noch Luft nach oben. Offenbar hat für die Mehrheit der Menschen Technomusik und Party die höhere Priorität als unsere Zukunft. Schade. Trotzdem ist die Zahl beachtlich, vor allem, dass sich angesichts der kürzlichen Terroranschläge so viele nicht entmutigen liessen und trotzdem kamen. Natürlich wären es noch ganz bestimmt viel mehr gewesen, hätte es diese nicht gegeben. 
Gestärkt mit Falafel machten wir uns auf Richtung Eiffelturm, auf dem Champs de Mars sollte die zweite Grossdemo stattfinden. Diese wurde im letzten Moment auf die Beine gestellt und wurde im letzten Moment legalisiert, wow, was für ein Zeichen. Ich bin echt beeindruckt, was diese Leute in dieser aussergewöhnlichen Situation in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben, alles war super organisiert. Auf dem Champs de Mars gab es gar Eingangskontrollen von der Polizei, was ich anfangs etwas störend fand, doch es war schliesslich zu unserer Sicherheit. Hier wurden mehrere Menschenketten gebildet und weitere Aktionen fanden statt. Gemäss Alternatiba nahmen über 20'000 Menschen teil, beeindruckend.  (https://alternatiba.eu/2015/12/20-000-personnes-decretent-letat-durgence-climatique/) 20'000 wildfremde Menschen, die einander die Hand hielten. Am Ende hielten Leute Reden auf einer Bühne, darunter auch Naomi Klein, und eine Band machte mächtig Stimmung, leider habe ich nach langem Suchen noch immer nicht rausgefunden, wie diese hiess, wenn das jemand weiss, wäre das klasse :). Nachtrag: hier ist es: https://www.youtube.com/watch?v=liu21_593-A&spfreload=1Gegen 16 Uhr kam heraus, dass die Staten das Klimaabkommen unterschrieben haben. Mit diesem Abkommen verpflichten sich erstmals nahezu alle Länder zum Klimaschutz. Wie gut dieses Abkommen ist, darüber lass ich andere urteilen, die das besser können.  Hier findet ihr einige Links:

-Tagi hier werden auch die Demos erwähnt. 

Klimaretter 

WOZ Klimablog

weitere folgen. 

Am Abend war dann noch lecker indisch essen und Party mit den Grünen aus diversen europäischen Ländern angesagt. Am Sonntag mussten wir uns leider auch schon wieder auf den Heimweg machen. Was mir aufgefallen ist, dass es in Paris deutlich mehr Bioläden und vegetarische Restaurants gibt, als noch vor ein paar Jahren, es tut sich also auch hier was. Im TGV nach Genf machten wir spannende Bekanntschaft mit einem Californier, der mehrere Jahre in Genf für die UNO gearbeitet hat und ganze zwei Wochen in Paris war, mit anderen Aktivisten. Und das Aufregende ist, er ist gerade dabei, einen Film über Vandana Shiva zu drehen,  die indische Wissenschaftlerin und Aktivistin - unter anderem als engagierte Kämpferin gegen Monsanto (gemäss Jim Becket ist sie der grosse Feind von Monsanto), die wir bereits aus den Filmen 10 Millliarden und Bitter Seeds kennen. Einfach unglaublich. Hier der Link zur Filmwebsite

So haben wir Unglaubliches erlebt, all diese vielen Leute um uns herum, waren unglaublich motivierend. Diese Motivation gilt es hinüber zu nehmen in unseren Alltag, bei unserem Engagement für die Umwelt. Denn wir können und dürfen Umweltschutz nicht unseren Regierungen überlassen, es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen. Dies kann jeder Einzelne von uns tun. Jetzt sofort. Mit kleinen und grossen Aktionen. Wir können uns informieren, Bücher lesen, Dokumentarfilme schauen (z.B. bei Filme für die Erde, der grössten Datenbank für Umwelt-Filme im deutschsprachigen Raum, wo ihr über 40 Filme gar kostenlos anschauen könnt - also da gibts keine Ausreden mehr) den Zug nehmen, weniger und bewusster konsumieren, bio kaufen, einer Vertragslandwirtschaft beitreten, weniger Fleisch essen oder einen veganen Tag einlegen, bewusst auf Verpackungen verzichten and so on.  Hauptsache, ihr tut was, und zwar jetzt. 

 

Ideen was man im Alltag alles für die Umwelt machen kann, werde ich in einem anderen Beitrag geben, wie auch meine persönlichen Umweltfilmtipps.
Was haltet ihr vom Klimabkommen? Was sind eure Klimatipps? 

 

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